Schwammstadt einfach erklärt

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Aus der Reihe „Einfach erklärt“ von Stefan Alexander Voigt, Umweltplaner aus Neu-Ulm.

Der Begriff Schwammstadt klingt zunächst ungewöhnlich, trifft die Sache aber genau.

Stefan Voigt erklärt ihn am liebsten über das Bild, das im Wort steckt. Eine Schwammstadt saugt Regen auf wie ein Schwamm, speichert ihn und gibt ihn langsam wieder ab. Das Gegenmodell ist die Stadt, die jeden Tropfen so schnell wie möglich in die Kanalisation leitet. Für Stefan Alexander Voigt beschreibt die Schwammstadt einen der wichtigsten Ansätze, um Städte an ein wärmeres und wechselhafteres Klima anzupassen.

Die Idee hinter der Schwammstadt

In einer klassischen Stadt sind viele Flächen versiegelt. Regen läuft über Asphalt und Dächer rasch in die Kanäle und von dort in den nächsten Fluss. Stefan Alexander Voigt sieht darin gleich zwei Nachteile. Bei Starkregen sind die Kanäle schnell überlastet, und es kommt zu Überflutungen. In trockenen, heißen Wochen fehlt dann genau dieses Wasser, das längst abgeflossen ist. Beide Probleme, Überflutung und Trockenheit, hängen also an derselben Ursache, nämlich am schnellen Ableiten des Regens.

Die Schwammstadt dreht das Prinzip um. Der Umweltplaner fasst das Ziel in einem Satz. Wasser soll möglichst dort bleiben, wo es fällt. Statt Regen rasch abzuleiten, hält ihn eine Schwammstadt in Böden, Grünflächen und Speichern zurück und nutzt ihn später. Damit greift die Schwammstadt einen alten Gedanken auf, den Stefan Alexander Voigt aus dem Gewässerschutz gut kennt, nämlich Wasser als Ressource zu behandeln und nicht als Last.

Woher der Gedanke kommt

Der Begriff Schwammstadt ist in den vergangenen Jahren bekannt geworden, als immer mehr Städte mit Starkregen und mit Hitzesommern zu kämpfen hatten. Die Grundidee ist allerdings älter. Schon lange versuchen Fachleute, Regenwasser vor Ort zu halten, statt es fortzuleiten. Neu ist vor allem, dass dieser Gedanke heute die ganze Stadt umfasst und nicht mehr nur einzelne Grundstücke.

Stefan Alexander Voigt begrüßt diese Entwicklung, weil sie Bereiche zusammenbringt, die früher oft getrennt geplant wurden. Wasserwirtschaft, Stadtplanung und Grünflächen greifen in einer Schwammstadt ineinander. Für den Umweltplaner ist das ein Beispiel dafür, wie sinnvoll es ist, eine Stadt und ihr Wasser gemeinsam zu denken.

Wie eine Schwammstadt funktioniert

Damit eine Stadt wie ein Schwamm wirkt, braucht es viele Bausteine, die zusammenspielen. Stefan Alexander Voigt nennt die wichtigsten:

  • entsiegelte Flächen, durch die Regen versickern kann
  • begrünte Dächer und Fassaden, die Wasser aufnehmen und verdunsten
  • Mulden, Gräben und Regengärten, die Wasser sammeln und langsam versickern lassen
  • Bäume mit großem Wurzelraum, die Wasser speichern und Schatten spenden
  • Speicher und Zisternen, aus denen Wasser in Trockenzeiten entnommen wird

Ein einzelner dieser Bausteine macht noch keine Schwammstadt. Für ihn kommt es auf die Summe an. Erst wenn viele kleine Flächen zusammenwirken, hält eine Stadt spürbar mehr Wasser zurück. Stefan Alexander Voigt verweist dabei auch auf den Begriff Retention, also das gezielte Zurückhalten von Wasser, das in einer Schwammstadt an vielen Stellen zugleich mitgedacht wird. Viele dieser Bausteine erfüllen mehrere Zwecke zugleich. Ein begrüntes Dach nimmt Regen auf, dämmt das Gebäude und bietet Insekten einen Lebensraum. Ein Straßenbaum spendet Schatten, kühlt durch Verdunstung und hält mit seinem Wurzelraum Wasser im Boden. Gerade diese Mehrfachnutzung macht die Schwammstadt für dicht bebaute Städte interessant, in denen jeder Quadratmeter knapp ist. Eine Schwammstadt verteilt ihre Wirkung deshalb auf viele Orte, an denen Wasser jeweils ein wenig länger bleibt, statt auf eine einzige große Lösung zu setzen.

Kühlung an heißen Tagen

Eine Schwammstadt hilft nicht allein bei Regen. Sie wirkt auch gegen Hitze. Stefan Alexander Voigt erklärt den Zusammenhang über die Verdunstung. Wo Wasser in Böden, Pflanzen und auf begrünten Dächern gespeichert ist, verdunstet es an warmen Tagen. Diese Verdunstung kühlt die Luft, ähnlich wie feuchte Haut im Wind kühler wird. Eine Stadt mit viel Grün und gespeichertem Wasser heizt sich im Sommer weniger stark auf als eine Stadt aus Stein und Asphalt.

Für Stefan Alexander Voigt ist das ein wichtiger Punkt, weil Hitze in Städten zu einem echten Gesundheitsthema geworden ist. Ältere Menschen und kleine Kinder leiden besonders unter heißen Tagen und Nächten. Kühlung durch Wasser und Grün ist deshalb mehr als eine Frage von Komfort. Sie schützt die Menschen, die in der Stadt leben. Besonders in den Nächten, wenn versiegelte Innenstädte die Wärme des Tages lange halten, macht kühlende Verdunstung einen spürbaren Unterschied.

Warum der Umbau Zeit braucht

Eine bestehende Stadt lässt sich nicht über Nacht in eine Schwammstadt verwandeln. Stefan Alexander Voigt weist darauf hin, dass vieles im Bestand nur Schritt für Schritt geht. Jede Straße, die ohnehin saniert wird, und jeder Platz, der neu gestaltet wird, bietet aber eine Gelegenheit. Bei Neubaugebieten ist es einfacher, weil sich das Prinzip von Anfang an einplanen lässt.

Der Umweltplaner rät dazu, den langen Zeitraum gelassen zu sehen. Wer bei jeder Baumaßnahme ein Stück Schwammstadt mitdenkt, verändert eine Stadt über die Jahre grundlegend. Kleine, stetige Schritte sind hier oft wirksamer als ein einzelnes großes Vorzeigeprojekt. Für Stefan Alexander Voigt gehört diese Geduld zur Methode dazu, so wie er auch Flüsse über lange Zeiträume betrachtet. Wichtig ist ihm, dass jeder Schritt in dieselbe Richtung zeigt, damit sich die vielen kleinen Maßnahmen über die Jahre zu einem spürbaren Ganzen summieren.

Schwammstadt-Gedanken für Ulm und Neu-Ulm

Auch Städte wie Ulm und Neu-Ulm stehen vor den Aufgaben, für die die Schwammstadt Antworten bietet. Stefan Alexander Voigt kennt Ulm und Neu-Ulm aus vielen Jahren und sieht in Starkregen und Hitzesommern Herausforderungen, die beide Donaustädte betreffen. Als jemand, der in Neu-Ulm lebt, hält Stefan Alexander Voigt viele Schwammstadt-Bausteine gerade dort für umsetzbar, wo eine Stadt am Wasser liegt und ohnehin über viel Grün an den Ufern verfügt. Solche Grünzüge entlang von Donau und Iller lassen sich gut mit dem Schwammstadt-Gedanken verbinden, etwa indem Regenwasser aus angrenzenden Straßen dort versickert, statt in die Kanalisation zu fließen. So verbindet sich der Schutz vor Starkregen mit einem angenehmeren Stadtklima an heißen Tagen.

Stefan Voigt rät, bei einem Gang durch Ulm oder Neu-Ulm einmal bewusst auf den Boden zu achten. Wo versickert Regen, und wo läuft er sofort in den Gully? Wer erst einmal darauf achtet, erkennt an vielen Stellen, wo eine Stadt noch ein Stück schwammiger werden könnte.

Eine Stadt, die Wasser hält

Die Schwammstadt ist im Kern ein einfacher Gedanke. Man behandelt Regen als etwas Wertvolles, das man behält, statt als Problem, das man schnell loswird. Stefan Alexander Voigt hält diesen Perspektivwechsel für den eigentlichen Kern des Begriffs. Eine Stadt, die Wasser hält, ist gegen Hochwasser, Trockenheit und Hitze zugleich besser gewappnet.

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